Presse

Girls‘Day 2017

Girls‘Day 2017

Losheim am See. Die zarten Hände mit den frischlackierten Fingernägeln haben den Schlagschrauber fest im Griff – und schon rattert die Maschine den ersten Radbolzen los. Der Chef des Kfz-Betriebs M. Schulligen GmbH, Markus Schulligen, achtet genau darauf, dass bei dem Radwechsel an einem Mini bloß nichts nichts passiert. Die Einladung, sich anlässlich des Girl’sDays einen praxisnahen Eindruck von einer zukünftigen Berufsausbildung zu verschaffen, wollen sich Emilia Riemenschneider (14) von der Eichenlaubschule in Weiskirchen, Vanessa Thiel (15) und Carina Großmann (15), beide von der Peter-Dewes-Schule in Losheim am See, nicht entgehen lassen. Dafür nimmt das junge Trio auch klaglos schmutzige Hände in Kauf.

Das bereits 1964 gegründete Unternehmen an der Saarbrücker Straße 227 in Losheim bietet aktuell 14 Mitarbeitern, darunter vier Auszubildenden, sichere Arbeitsplätze. Für Markus Schulligen ist als Chef des Familienunternehmens der Begriff „Facharbeitermangel“ durchaus kein Fremdwort: „Deshalb bieten wir seit langem jedes Jahr ein bis zwei jungen Leuten einen Ausbildungsplatz an.“ Auch manches Mädchen habe in seinem Betrieb bereits seine dreieinhalbjährige Ausbildung als Kfz-Mechatroniker oder Bürokauffrau erfolgreich abgeschlossen. Am Girls’Day 2017 begrüßt Schulligen die drei Schülerinnen, um ihnen getreu den Zielvorgaben dieser bereits zum 14. Mal im Saarland ausgerichteten Veranstaltung einen Einblick in die Berufsausbildung seines Unternehmens auch und insbesondere für junge Mädchen zu vermitteln.

Nach dem ersten Kennenlernen gibt‘s zunächst eher trockene, dennoch wichtige Theorie. Da ist die Rede von der dualen Berufsausbildung, die sich die Betriebe und die Berufsschulen teilen. Der Kfz-Meister vergisst dabei natürlich auch die überbetriebliche Ausbildung in Saarbrücken nicht. Auf die Frage seiner jungen Gäste, ob die Arbeit in seiner Kfz-Werkstatt nicht vielleicht körperlich zu anstrengend sein könnte, reagiert er mit einem Schmunzeln. „Davon kann wirklich nicht die Rede sein“, und Schulligen fährt fort, „ihr werdet überrascht sein, wie viele moderne Instrumente uns heute in einer solchen Werkstatt körperlichen Einsatz abnehmen. Viele davon werden euch an die vertrauten Laptops oder Smartphones erinnern.“

Sobald die „graue Theorie“ erledigt ist, geht’s in die große Werkstatt. Der Firmenchef hat da für seine jungen Besucherinnen schon einiges vorbereitet. Auf einer Arbeitsbühne steht ein schmucker Mini, bei dem die Winter- gegen die aktuell eher gefragten Sommerreifen ausgetauscht werden sollen. Jetzt wird’s laut. Beim Rattern eines Schlagschraubers wird den Schülerinnen schnell klar, dass sich die kleine aber kräftige Maschine deutlich leichter handhaben lässt als etwa der Kreuzschlüssel, mit dem sich ihr Vater schon mal bei einer Reifenpanne herumquälen musste. Dabei bestätigt die Praxis die vorherigen Infos, wonach in einer modernen Werkstatt weiblichen Auszubildenden keine rohen Kräfte abverlangt werden.

Bei diesem Girls’Day bereitet die Praxis im Umgang mit modernen Maschinen den Besucherinnen erkennbar viel Spaß. So fliegen etwa beim Metallbohren nur so die Späne, wobei Schulligen immer wieder auf die Sicherheitsvorkehrungen hinweist, die in seiner Werkstatt Arbeitsunfälle ausschließen sollen. Gerade dieser praktische Teil ihres Girls’Days, der mit dem obligatorischen Händewaschen abgeschlossen wird, vermittelt den Besucherinnen über den Spaß hinaus einen anschaulichen Eindruck von der Berufsausbildung in einer modernen Kfz-Werkstatt. Ob das jetzt aktuell ihre individuelle Berufswahl beeinflussen wird, kann abschließend noch keine der drei jungen Damen sagen. Aber interessant sei’s auf jeden Fall gewesen. Carina Großmann beim Abschied: „Schauen wir mal.“

Quelle SZ Sa/So/Mo, 29./30.04./01.05.2017

Ein neues Leben im Saarland

Ein neues Leben im Saarland

Von Dieter Ackermann

22 Jahre ist Aref Sadeghi erst alt. Aber seinen Lebenslauf diktierten bislang der bereits jahrzehntelange Krieg in seiner afghanischen Heimat, seine abenteuerliche Flucht vom Iran über die Türkei und weiter über die Balkanroute und schließlich der Start in ein völlig neues Leben, was in der Summe oft für ein langes Leben reichen würde. Inzwischen ist der sympathische, großgewachsene Mann angekommen. Wir unterhielten uns mit ihm an seinem neuen Ausbildungsplatz, der M. Schulligen GmbH in Losheim am See, wo er am 16. August eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker begonnen hat.

„Vor drei Jahren flüchtete ich mit meinem jüngeren Bruder vor dem Krieg, der unsere Heimat Afghanistan seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommen lässt.“ Sadeghi wuchs im Westen des Landes, in der nach Kabul zweitgrößten Stadt Herat auf. Von dort ging es zunächst nach Maschhad, der heiligen Stadt im Osten des Iran. Dort bot sich den Brüdern bei einem Zwischenaufenthalt schon mal die Gelegenheit, die englische Sprache sowie die lateinische Schrift zu erlernen, nachdem sie zuvor nur Paschto und Farsi (Amtssprachen in Afghanistan und Iran) gesprochen hatten.

„Von dort aus schafften wir 2015 mit viel Glück den schwierigen und gefährlichen Weg über die Balkanroute bis nach Deutschland, wo wir als Asylbewerber schließlich in einer großen Sammelunterkunft im saarländischen Lebach untergebracht wurden.“ Der 22-Jährige möchte im Gespräch mit der SZ keine weiteren Details über die offensichtlich emotional aufrührende Flucht preisgeben. Offenbar reichten den deutschen Behörden in der Zwischenzeit seine Auskünfte über die individuellen Fluchtgründe völlig aus, um ihn bereits als Asylbewerber anzuerkennen.

Seit einigen Monaten ist er in der Umgebung von Losheim am See zu Hause. Die deutsche Sprache beherrscht er bereits besser als das im Iran erlernte Englisch. Und auch über seine berufliche Zukunft im Saarland ist sich Sadeghi schon völlig im Klaren. Nachdem er in der Zwischenzeit bereits einige Praktika in verschiedenen Unternehmen absolviert hatte, erkundigte er sich bei Markus Schulligen vom gleichnamigen Bosch-Service in Losheim, Saarbrücker Straße 227, ob er dort vielleicht eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker antreten könne.

Markus Schulligen zur SZ: „Nachdem sich der junge Mann bei uns bereits als Praktikant gut eingefügt hatte und wir seit mehr als einem halben Jahrhundert jährlich mindestens einen Lehrling einstellen, fiel es mir leicht, ihm einen Ausbildungsvertrag anzubieten.“ Seit einigen Tagen erst trägt Sadeghi das rote Arbeitstrikot seines Unternehmens, aber der Chef ist bereits voll des Lobes über die uneingeschränkte Bereitschaft seines neuen Lehrlings, sich mit seiner freundlichen und zugleich wissbegierigen Art uneingeschränkt in das Firmenteam zu integrieren.

Auf die Frage der SZ, ob er sich vorstellen könne, noch einmal in seine alte Heimat am Hindukusch zurückzukehren, schüttelt der junge Mann nach kurzem Nachdenken den Kopf: „Gestern erst habe ich im Radio wieder von einem neuen Bombenanschlag in Herat erfahren. Wie könnte mich da etwas in meine vom Krieg heimgesuchte Heimat zurückziehen?“ Der 22-Jährige versichert stattdessen dankbar, sich in seiner neuen Heimat im Saarland – „von dem ich in Herat noch nie etwas gehört hatte“ – rundum wohlzufühlen. „Ich weiß die hiesige Sicherheit, das geordnete Leben und die liebenswürdige Art der Saarländer vielleicht besser zu schätzen als mancher meiner deutschen Nachbarn.“

Quelle SZ, Fr, 25.08.2017

VOLVO Truck News Ausgabe 3 2017

Lothar Mich

Losheim am See. Große Konzerne wie beispielsweise Thyssenkrupp können sich leicht vorbildliche Ausbildungswerkstätten für ihren Berufsnachwuchs leisten. Bei kleineren und mittelständischen Arbeitgebern muss die Berufsausbildung stattdessen in den regulären Berufsalltag integriert werden. Da arbeiten dann die Auszubildenden zum Beispiel Hand in Hand mit wechselnden Gesellen, die neben der Ausbildung ihrer jungen Kollegen insbesondere die gute und schnelle Erledigung des jeweiligen Arbeitsauftrages im Fokus haben müssen. In Losheim am See hat sich der Chef der Bosch Car Service M. Schulligen GmbH jetzt einen Kompromiss zwischen den Möglichkeiten der großen Ausbildungswerkstätten und der bislang geübten Ausbildungspraxis einfallen lassen. Markus Schulligen: „Wir haben jetzt mit dem Maschinenbauingenieur Lothar Mich (68) einen erfahrenen Berufspraktiker auf Teilzeitbasis angestellt, der in unserer Ausbildungswerkstatt den Lehrlingen nicht nur die erforderlichen handwerklichen Kenntnisse vermittelt, sondern der sie darüber hinaus auch an das selbstständige Arbeiten im Betrieb heranführt.“

Der Maschinenbauingenieur Mich hat bis zum Einstieg in den Rentneralltag ein aufregendes Berufsleben hinter sich gebracht, von dessen praktischer Erfahrung aktuell fünf Auszubildende bei Schulligen profitieren. Im Gespräch mit der SZ berichtete er von seinen spannenden Berufsjahren bei Opel und später bei Mercedes Benz, wo er sich unter anderem in der Motorenentwicklung für die DTM-Rennserie engagierte. Interessiert hängen die Auszubildenden an seinen Lippen, wenn er von seinen damaligen Erfahrungen mit Renngrößen wie Roland Asch oder Klaus Ludwig berichtet.

„Das Rentnerleben hat mir durchaus gefallen, aber ich hatte gleich das Gefühl, da fehlt mir was“, versichert Mich, „bis mich vor kurzem Herr Schulligen ansprach.“ Der war schon seit längerem auf der Suche nach einem Senior Consultant, der sich zeitweise in seinem Unternehmen um die rein handwerkliche Ausbildung seiner Auszubildenden kümmern sollte. Schulligen: „Die Vermittlung wichtiger technischer Fähigkeiten wie etwa das perfekte Fräsen oder Bohren sollte bei unseren Lehrlingen stärker in den Mittelpunkt rücken. Diese beruflichen Basics sollten nicht länger nur am Rande des regulären Werkstattbetriebs eine Rolle spielen. Dabei war mir natürlich klar, dass wir uns als mittelständisches Unternehmen keine eigene Ausbildungswerkstatt wie die Großen leisten können.“

Vor diesem Hintergrund kamen er und sein neuer Ausbildungsleiter jetzt zusammen. Der Maschinenbauingenieur, der inzwischen seine Rente mit diesem Teilzeitjob aufbessert, kümmert sich monatlich 30 bis 40 Stunden lang um die aktuell fünf Auszubildenden bei Schulligen. „Aktuell feile ich noch gemeinsam mit dem Firmenchef an einem strukturierten Lehrplan, der unseren Berufsnachwuchs wirklich voranbringen kann.“

Während er einem Lehrling mit wachen Augen beim Bohren eines Werkstücks aus einer Lichtmaschine über die Schultern schaut, fragt er ganz beiläufig: „Weißt du denn eigentlich, wie so eine Lichtmaschine überhaupt funktioniert?“ Gerade diese Zusammenhänge von grundsätzlichen technischen Fähigkeiten bis hin zu komplexen Funktionsweisen sollen beim Bosch Car Service M. Schulligen individuell und losgelöst vom nicht selten stressigen Arbeitsalltag im Dialog zwischen Lehrling und Ausbildungsleiter vermittelt werden.

Dabei akzeptiert Mich gerne auch manchen Fehler seiner Schützlinge: „Denn gerade aus diesen Fehlern lernen unsere angehenden Kfz-Mechatroniker nachhaltig für ihr späteres Berufsleben.“ Und der Maschinenbauingenieur ist außerdem fest davon überzeugt, dass eine solche individuelle fachliche Betreuung bei der Ausbildung viele Vorteile der großen Ausbildungswerkstätten auch einem mittelständischen Unternehmen wie bei Schulligen zum Nutzen bei der beruflichen Qualifizierung seines Nachwuchses gereichen kann.

Der Firmenchef freut sich, mit der Einstellung seines Ausbildungsleiters einen zukunftsweisenden Weg gefunden zu haben, seine Lehrlinge noch gezielter auf ihre spätere Gesellenprüfung vorbereiten zu können, als das im regulären Werkstattbetrieb bisher möglich gewesen wäre. Schulligen: „Mit unserem Projekt können wir mit Sicherheit manche Defizite ausgleichen, und damit uns und andere mittelständische Kfz-Unternehmen, die sich keine großen Ausbildungswerkstätten wie die Branchenriesen leisten können, für die unternehmerische Zukunft besser aufstellen.“

Quelle SZ, Mo, 13.08.2018